Für immer mehr Menschen in Baden‑Württemberg ist ein eigenes Zuhause keine Selbstverständlichkeit. Die aktuelle Liga‑Stichtagserhebung 2025 zeigt: Die Wohnungsnot im Land nimmt weiter zu und erreicht erneut einen Höchststand. Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl fordert die Liga, die Überwindung von Wohnungslosigkeit ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Die kommende Landesregierung müsse klare Prioritäten setzen, um der wachsenden Wohnungsnot wirksam zu begegnen.
Am Stichtag im September 2025 wurden 13.795 wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen von Angeboten der freien Wohlfahrtspflege unterstützt – rund drei Prozent mehr als im Vorjahr. „Dass wir erneut einen Höchststand in der Anzahl der Hilfesuchenden verzeichnen, ist daher alarmierend!“, erklärt Dr. Marco Lang, Vorstand der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden‑Württemberg. „Wohnungsnot ist längst kein Randproblem mehr. Sie zieht sich durch Städte und ländliche Räume und wird für viele Betroffene zu einem dauerhaften Zustand.“
Wohnungsnot in Baden-Württemberg habe sich über viele Jahre aufgebaut. „Diese prekäre Lage ist das Ergebnis politischer Entscheidungen – und lässt sich auch politisch verändern. Wir appellieren daher an die neue Landesregierung, die Überwindung von Wohnungslosigkeit nach oben auf die politische Agenda zu setzen“, so der Liga-Vorstand weiter. Entscheidend seien mehr bezahlbarer und sozial gebundener Wohnraum, damit auch Menschen mit geringem Einkommen oder in schwierigen Lebenslagen eine eigene Wohnung finden können. Zugleich sollte die kommende Landesregierung die bisherigen Programme und Förderinstrumente auf eine nachhaltige Förderung ausrichten, sowie deren Wirkung regelmäßig im Spiegel sich verändernder Bedarfe prüfen und weiterentwickeln.
Soziale Daseinsvorsorge sichern – Kürzungen treffen die Schwächsten
Die Lebenslagen Wohnungsloser spitzen sich weiter zu. Wohnungsnot bedeutet für viele Betroffene längst mehr als den Verlust eines Dachs über dem Kopf: Sie geht häufig einher mit jahrelangen sozialen Bruchstellen, gesundheitlichen Belastungen und psychischen Erkrankungen. Tagesstätten, Beratungsstellen und Aufnahmehäuser sind für viele Betroffene oft der erste – und manchmal der einzige – Ort, an dem sie Unterstützung, Orientierung und Stabilität finden, wenn andere Sicherungssysteme nicht mehr greifen. Gleichzeitig geraten die Angebote der Wohnungsnotfallhilfe angesichts der derzeitigen finanziellen Engpässe immer stärker unter Druck: „Diese Angebote sind ein Sicherheitsnetz, das Menschen auffängt, bevor sie ganz durchfallen“, betont die Liga-BW. „Wenn hier – wie aktuell in vielen Kommunen – gekürzt wird, reißt dieses Netz ein, mit Folgen für die Betroffenen sowie genauso wie unser gesellschaftliches Miteinander.“
Weichen stellen, um Wohnungslosigkeit zu überwinden
Eine stabile finanzielle Basis für die soziale Daseinsvorsorge kann damit auch langfristig hohe sozialen Folgekosten vermeiden. Aus Sicht der Liga-BW braucht es jetzt einen klaren politischen Kurswechsel. Wohnungsnot darf nicht länger hingenommen oder lediglich abgefedert werden. Sie muss nachhaltig und zügig überwunden werden – mit einer starken Wohnungspolitik, die über wirkungsvolle Instrumente verfügt, mit strategischer Prävention gegen Wohnungsverlust und einer verlässlichen Absicherung des Hilfesystems.
„Wohnungsnot ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die uns alle angeht. Sie ist lösbar – wenn Politik, Kommunen und freie Wohlfahrt jetzt gemeinsam Verantwortung übernehmen.“, so Liga-Vorstand Lang abschließend.
Bild: Foto von Levi Meir Clancy auf Unsplash
