[LIGA PROJEKT]

Sozionauten

In Kooperation mit dem Grünhof e. V. – Verein für gesellschaftliche Innovation hat die Liga im Oktober 2021 das Programm Sozionauten gestartet.

Die Sozionauten sind ein Innovationsprogramm für den sozialen Sektor. Die Mitgliedsorganisationen der Liga arbeiten darin bis zum Abschlusstermin im Juni 2022 entlang von 6 Modulen gemeinsam und verbandsübergreifend an neuen Lösungen für aktuelle soziale Herausforderungen. Das Programm bietet einen angeleiteten Experimentierraum, um Wirk- und Geschäftsmodelle für innovative Lösungen zu konzipieren und in die Tat umzusetzen.

Insgesamt neun Projekte aus verschiedenen Liga-Verbänden sind jetzt am Programm beteiligt. Darunter finden sich innovative Konzepte zu den Themen soziale Teilhabe, gelebte Inklusion, Internationalisierung, oder Gesundheitsförderung und vielem mehr.

Fotos: Social Innovation Lab, Foto: Nils Theuer, https://www.textour-freiburg.de/

[Rückblick auf das erste Sozionauten-Programm]

Pitch und fertig?

Braucht es ein Innovationsprogramm für soziale Wohlfahrtsorganisationen? Welchen Input liefert es in die Organisation? Diese Fragen stellten sich einige der geladenen Gäste aus den Verbänden der Liga-BW bei der Abschluss-veranstaltung des Sozionauten-Programms am 02.06.2022. Nach neun Monaten und sechs Modulen präsentierten die Teilnehmer:innen ihre innovativen Ideen und Projekte im Freiburger Kreativpark Lokhalle.

„Was ist eine soziale Innovation“, fragt Jella Riesterer zu Beginn der Abschlussver-anstaltung des Sozionauten-Programms. „Es geht nicht immer um die großen Dinge, nicht um die Zerstörung des Vorhandenen, sondern auch kleine Veränderungen können zielführend sein.“ Riesterer ist geschäftsführende Gesellschafterin des Grünhof Vereins, unter dessen Dach das so genannte Social Innovation Lab Innovationsprogramme für unterschied-liche Zielgruppen anbietet. Die Sozionauten ist eines davon. Es richtet sich an etablierte soziale Organisationen und möchte diese dabei unterstützen, Lösungswege für bekannte Probleme und neue gesellschaft-liche Herausforderungen zu finden.

Insgesamt acht soziale Innovationsteams hatten das Sozionauten-Programm in den vergangenen neun Monaten durchlaufen. Die großen Träger und Mitgliedsverbände der LIGA Baden-Württemberg – Diakonie Baden und Diakonie Württemberg, Caritas, Paritätische, AWO, Deutsches Rotes Kreuz – konnten dafür jeweils zwei Teil-nehmer*innen aus einem oder mehreren Organisationen oder Abteilungen für das Innovationsprogramm anmelden.
Während der sechs Module lernten die Teams, New-Work-Methoden ein- und umzusetzen: damit wurden Bedarfsanalysen von Zielgruppen durchgeführt, neue Lösungsansätze formuliert und Wirkungs-lücken aufgedeckt. Auch team- und verbandsübergreifend tauschte man sich aus und lernte voneinander.
„Es geht am Anfang vor allem darum, sich auszu-probieren und durchaus groß zu denken“, sagt Hedra Youkhana, Leiterin des Sozionauten-Programms. Dazu gehöre auch, dass man mit seiner Anfangsidee scheitern kann, zu völlig neuen Erkennt-nissen kommt und erst dann eine nachhaltige Lösungsidee entwickelt.
„Wir sind nicht die Expertinnen, wir geben den Raum und die Impulse“, sagt Jella Riesterer. Und genau dieser neue Schaffens- und Denk-Raum sei es, der den Unterschied zum operativen Alltagsgeschäft der sozialen Organisationen ausmacht. „Im Programm werden außerdem Fragen gestellt, die uns sonst nicht gestellt werden. Wir haben viel Unterstützung und auch ein spannendes Netzwerk an die Hand bekommen“, sagt eine Teilnehmerin zum Innovationsangebot.

Acht Pitches werden an diesem Tag auf der Bühne der Lokhalle, dem bekannten Gründungszentrum in Freiburg, vorgestellt. Sie behandeln unter anderem die Themen-felder Inklusion, Quartiersentwicklung, Wohnungslosenhilfe oder Organisations-entwicklung. Geschaffen wurde zum Beispiel eine mobile Begegnungsstätte im Bezirk, ein einfaches Tool, das das Von-einanderlernen unter einem diversen Pflegepersonal vereinfachen soll oder eine weitreichende Unterstützung beim Frei-willigendienst.
Neben den gelernten und umgesetzten Innovationsprozessen erzählen die Teams auch von ihren persönlichen Erfahrungen, die sie im Sozionauten-Programm gemacht haben. Von „Aha-Erlebnissen“ ist die Rede, von „Wirkungslücken“, die man füllen konnte und vom „Macher*innen-Mut“, der vermittelt wurde und den es braucht, um vom Zerdenken ins Tun zu kommen. Raus aus der Problemlahmheit, rein in die Gestaltungslust.
„Die Sozionauten haben einen Neuigkeits-wert für uns und unsere Verbände. Sie greifen Fragen auf und suchen Probleme, die wir oft nicht allein finden und stemmen können“, sagt John Litau, Geschäftsführer der Liga Baden-Württemberg. Auch die verbands-übergreifende Arbeit innerhalb des Innovationsprogrammes baue auf das auf, was man in der Liga leben möchte. Weniger Konkurrenz, mehr Zusammen-arbeit und ein Voneinander-lernen.
Auch Katja Vonhoff, Abteilungsleiterin Innovation und Nachhaltigkeit bei der Diakonie Baden, spricht sich für das Sozionauten-Programm aus: „Es ermöglicht Experimentierräume, eine andere Öffentlichkeit und auch einen anderen Austausch.“ Alte Methoden würden eben auch zu alten Ergebnissen führen. „Dieses Programm bringt uns voran“, sagt Vonhoff.

Auch wenn dieser Abend das Ende einläutet, so werden Jella Riesterer und Hedra Youkhana weiterhin allen Teil-nehmer*innen mit Rat, Tat und Macher*innen-Mut zur Seite stehen. Und das neue Sozionauten-Programm startet bereits im Herbst.

Ab sofort und bis zum zum 22. Juli 2022 ist die Bewerbung für den nächsten Porgramm-Durchgang möglich.