Liga‑BW fordert im Rahmen einer Landespressekonferenz vor der Landtagswahl klare politische Priorität für soziale Daseinsvorsorge
Soziale Leistungen und Angebote sind für alle da. Die Einrichtungen und Diensten der Verbände der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V. stellen die Versorgungsstrukturen für unzählige Menschen in Baden-Württemberg bereit. Sie ermöglichen Kinderbetreuung, Altenpflege, soziale Beratung, Teilhabe oder Integration. Sie sind dadurch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor – größer als die Automobilindustrie. Die Liga-BW stellte in einer Landespressekonferenz heute ihrer Kampagne „Soziales ist Zukunft!“ vor und erklärt: Ohne Sozialwirtschaft gibt es keine Wirtschaft. Ohne Soziales keine Zukunft.
„Wenn Pflege, Kitas, Beratung oder Unterstützung für Menschen mit Behinderungen infrage gestellt werden, dann geht es nicht um abstrakte Haushaltszahlen – es geht um Menschen und um ihre Lebensqualität“, sagte die Liga-Vorstandsvorsitzende Beatrix Vogt-Wuchter. Die Wohlfahrtsverbände kritisieren damit aktuelle politische Entwicklungen in der restriktiven Planung von (kommunalen) Sozialhaushalten genauso wie das neue Narrativ eines sozialen Goldstandards, in Baden-Württemberg aber auch in der Bundespolitik. „Soziale Leistungen sind keine freiwilligen Extras, sondern Ausdruck staatlicher Verantwortung füreinander und Grundlage gleichberechtigter Teilhabe“, sagt Vogt-Wuchter weiter.
Viele soziale Angebote, die lange als selbstverständlich galten, würden zunehmend unter Druck geraten: fehlende Pflegeplätze, unzureichende Kinderbetreuung, lange Wartezeiten auf Beratungs- und Therapieangebote oder Engpässe bei Assistenzleistungen. Dabei zeigten Studien inzwischen eindrücklich, dass Investitionen in soziale Angebote langfristig Kosten senkten. „Jeder Euro, der in Prävention, Beratung oder frühe Unterstützung investiert wird, spart ein Vielfaches an Folgekosten – im Gesundheitswesen, in der Justiz oder in der Sozialhilfe“, so die Liga-Vorsitzende. Soziales sei daher keine Belastung öffentlicher Haushalte, sondern eine Investition in Stabilität und Zukunftsfähigkeit.
„Wenn über Soziales gesprochen wird, wird oft übersehen: Die Sozial- und Gesundheitswirtschaft ist nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftlich von zentraler Bedeutung“, betont Dr. Marco Lang, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Liga-BW. Rund 845.000 Menschen arbeiten in Baden-Württemberg in diesem Bereich, etwa jede achte erwerbstätige Person. Rund die Hälfte findet sich dabei in den Strukturen der Liga-BW wieder. Während andere Branchen Stellen abbauten, wachse der soziale Sektor seit Jahren kontinuierlich und erweise sich als krisenfest und konjunkturunabhängig. „Ohne Gesundheits- und Sozialwirtschaft keine Wirtschaft – und ohne Soziales keine Zukunft“, so Lang.
Mit der landesweiten Kampagne „Soziales ist Zukunft“ will die Liga-BW in den Wochen vor der Landtagswahl die Bedeutung des Sozialen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. „Über 417.000 Beschäftigte und 155.000 Ehrenamtliche tragen täglich Verantwortung für soziale Daseinsvorsorge in Baden-Württemberg“, erklärte Manuela Mayer, hautpamtliche und geschäftsführende Vorständin der Liga-BW. Ziel der Kampagne sei es, zum ehrlichen Dialog anzuregen, politisches Bewusstsein zu stärken und dem Gefühl von Ohnmacht angesichts komplexer Krisen entgegenzuwirken. „Politische Entscheidungen haben unmittelbare Auswirkungen auf soziale Angebote vor Ort“, so Mayer. „Deshalb unser Appell: Wenn du nicht wählst, tun’s andere.“
Die Liga-BW fordert Politik und Verwaltung auf, die soziale Infrastruktur im Land langfristig zu sichern und gemeinsam weiterzuentwickeln. „Soziale Daseinsvorsorge ist kein Kostenfaktor, den man je nach Kassenlage kürzen kann“, so die Liga-Vorsitzende abschließend. „Sie ist das Fundament einer solidarischen, demokratischen Gesellschaft und erfordert deshalb künftig mehr denn je eine politische Priorisierung.“
