23 Sep.

Medizinische Perspektiven auf Behinderung – erkennen, verstehen, behandeln

Die Häufigkeit der Epilepsie in der Allgemeinbevölke-rung beträgt ungefähr 1 %. Bei Menschen mit Intelli-genzminderung oder komplexer Behinderung liegt die Häufigkeit bei gut 20 %. Je stärker das Ausmaß einer Intelligenzminderung, desto höher auch das Risiko, an einer Epilepsie zu leiden. Mehr als jeder zweite Mensch mit einer schwersten Intelligenzminderung hat ebenfalls eine Epilepsie. Schon deshalb bilden Menschen mit Behinderung eine wichtige Gruppe i nnerhalb der Menschen mit Epilepsie.

Es gibt aber auch weitere Gründe dafür: Die Verläufe der Epilepsie sind vielfach langjährig, Anfallsfreiheit wird offenbar nicht erreicht. Gleichzeitig besteht eine erhöhte Empfindlichkeit in Bezug auf Neben-wirkungen der Medikamente, die zur Behandlung der Epilepsie eingesetzt werden. Kommunikative Bedürf-nisse und Besonderheiten der Kommunikationsfähig-
keit sind zu berücksichtigen.

Wichtige Fragen sind: Wie erkenne ich überhaupt epileptische Anfälle bei Menschen mit Behinderung? Welche Epilepsieformen und -ursachen gibt es? Ist die Gabe eines Bedarfsmedikament sinnvoll? Wenn ja, welches Medikament in welcher Dosierung und in welcher Situation? Wie erkenne ich Nebenwir-kungen der Medikation? Könnten Menschen mit Intel-ligenzminderung eigentlich auch psychogene Anfälle bekommen? Ist der Einsatz eines Anfallswarngerätes sinnvoll? Und wie sieht es mit dem klassischen Leder-heim aus? Wann ist ein stationärer Krankenhausauf-enthalt sinnvoll?

Diese und andere Fragen sollen in dem Vortrag beleuchtet werden.

Referent
Univ.-Prof. Dr. med. Christian Brandt, Neurologe und Epileptologe,
Krankenhaus Mara, Epilepsie-Zentrum Bethel, Universitätsklinik für Epileptologie, Bielefeld

Freitag, 13. November 2026
09:00 bis 11:30 Uhr