Aktuelles liga-bw
10 Juli

Die neuste Erhebung zur Wohnungslosigkeit des Statistischen Bundesamts zeigt sowohl für Deutschland als auch für Baden-Württemberg: Die Zahl der Personen ohne Mietvertrag steigt weiter an. Die Liga-BW verdeutlicht die Lebensumstände in der Unterbringung und zeigt den politischen Handlungsbedarf zu präventiven und akuten Maßnahmen auf.

Mindestens 94.550 Menschen in Baden-Württemberg haben kein eigenes Zuhause. Das verdeutlichen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zur Wohnungslosigkeit. “Die Bundesstatistik zeigt uns eindrücklich: Die Zahl der in Unterkünften untergebrachten Menschen bleibt besorgniserregend hoch.“, sagt Beatrix Vogt-Wuchter, Vorstandsvorsitzende der Liga-BW. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Betroffenen um zwei Prozent angestiegen und befindet sich auf einem Höchststand. Im Bundesvergleich sind nur in Nordrhein-Westfalen mehr Menschen betroffen. Mehr als ein Drittel (rund 29.465 Personen) sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Dabei bilden die Daten nur einen Teil der Realität ab: „Menschen, die obdachlos auf der Straße leben oder vorübergehend in privaten Notlösungen unterkommen, werden nicht erfasst. Die Dunkelziffer ist daher erheblich! Wohnungslosigkeit ist also auch in unserem vermeintlich reichen Bundesland längst weit verbreitet“, so die Liga-Vorsitzende.

Notsituationen werden Dauerzustand

Mehr als die Hälfte (47.970) der untergebrachten Personen ist seit über zwei Jahren wohnungslos und in kommunalen Unterkünften oder Einrichtungen untergebracht. Was zunächst eine Not- oder Übergangslösung sein sollte, wird für viele zur dauerhaften Lebenslage. Die dortigen Lebensbedingungen entsprechen oftmals nicht den Mindestanforderungen an menschenwürdige Unterbringung. “Die betroffenen Frauen, Männer und Kinder verlieren damit mehr als nur ein Dach über dem Kopf – sie verlieren Sicherheit, Perspektiven und häufig auch den Zugang zu medizinischer und sozialer Versorgung. Es ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Menschen vor dem Verlust ihres Zuhauses zu schützen – und die Bedingungen für jene zu verbessern, die bereits in Unterbringung leben”, so Vogt-Wuchter weiter. “Da sehe ich alle Akteure der Verantwortungsgemeinschaft für die soziale Daseinsvorsorge in der Pflicht, hier aktiv zu werden.”

Politischer Handlungsbedarf

Ein plötzlicher Jobverlust, die Kündigung der Wohnung, eine Trennung, eine Erkrankung – oft reicht ein einzelner Schicksalsschlag und Menschen geraten aus dem Gleichgewicht. Wenn dann kein bezahlbarer Wohnraum verfügbar ist und das soziale Netz zu spät oder gar nicht greift, droht der soziale Absturz. Die Ergebnisse sind eine direkte Folge insbesondere einer Wohnungspolitik, die ausgerechnet diejenigen aus dem Blick verloren hat, die eigentlich Priorität haben müssen: Menschen ohne eigene Wohnung. „Wir sehen richtige und notwendige politische Impulse der letzten Jahre, wie die Förderung von Fachstellen zur Wohnungssicherung – das sind allerdings nur punktuelle Ansätze und Hilfen. Insbesondere, wenn ausgerechnet präventive und niedrigschwellige Angebote in Zeiten knapper Kassen besonders unter besonderen Druck geraten.“, erklärt Vogt-Wuchter. Vielerorts werde gerade hier gekürzt. „Wer hier spart, riskiert hohe Folgekosten und schwächt das soziale Netz an seiner empfindlichsten Stelle.“, resümiert die Liga-Vorsitzende.

Nach Ansicht der Liga-BW braucht es ein abgestimmtes, langfristig finanziertes Maßnahmenbündel und einen verbindlichen Rahmen für Wohnungsbau, Prävention von Wohnungslosigkeit und Unterbringung wohnungsloser Menschen. Hierzu gehören insbesondere:

  • eine sozial gerechte Wohnungspolitik, die gezielt bezahlbaren Wohnungen schafft, Sozialbindungen dauerhaft sichert und Zugänge für wohnungslose Menschen vorsieht;
  • verbindliche Standards für die ordnungsrechtliche Unterbringung, die nicht nur eine angemessene Ausstattung gewährleisten, sondern auch den Zugang zu sozialer, medizinischer und weiterführender Hilfe sicherstellen;
  • der flächendeckende Ausbau präventiver Fachstellen, damit Wohnungsverluste frühzeitig erkannt und vermieden werden können;
  • verlässliche und auskömmliche Finanzierungsstrukturen für die ambulanten und stationären Angebote der Wohnungsnotfallhilfe – gerade in Zeiten angespannter kommunaler Haushalte.

Die Landesregierung stehe in der Verantwortung, jetzt die Voraussetzungen zu schaffen um Wohnungslosigkeit in Baden-Württemberg entschlossen anzugehen. Die Landtagswahl 2026 muss zum politischen Wendepunkt werden – mit klaren und verbindlichen Weichenstellungen für eine Wohnungs- und Sozialpolitik, die niemanden zurücklässt. “Menschen vor Wohnungsverlust zu schützen bedeutet, Perspektiven zu schaffen und damit das Netz des sozialen Zusammenhalts zu stärken”, so die Liga-Vorsitzende abschließend.