Aktuelles Suchtfragen
26 Jun

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Drogenmissbrauch macht die Landesstelle für Suchtfragen auf die existenziell wichtige Arbeit der Sucht- und Drogenhilfe im Land aufmerksam. Menschen mit einer Suchtproblematik, egal ob es sich um Alkohol, illegale Drogen, Medikamente oder Glücksspiel handelt, sind in Krisenzeiten besonders gefährdet. Im Sprachgebrauch der Corona-Pandemie heißt das: Hochrisikogruppe aufgrund einer Vorerkrankung. Für Menschen mit einer Suchterkrankung ist eine Infektion mit dem Corona-Virus lebensgefährlich. Schwerwiegend sind krisenbedingte Rückfälle, die kontrolliertes Verhalten unmöglich machen und damit nicht nur sich sondern auch ihr Umfeld gefährden. Die Sucht- und Drogenhilfe ist deshalb systemrelevant.

Sucht ist ein bio-psycho-soziales Krankheitsbild und greift deshalb in alle Lebensbereiche eines Menschen ein. Und abhängigkeitskranke Menschen sind oft aufgrund ihrer prekären physischen, psychischen und sozialen Situation nicht in der Lage, Hygienevorkehrungen zu treffen. Darin liegt die Gefahr, Infektionsketten auszulösen. So war und ist der Corona bedingte Lockdown mit der Kontaktsperre für Menschen mit Suchtproblemen eine extrem große Belastung. „Einsamkeit führt zu Rückfällen. Das ist eine enorm riskante Lebenssituation zur Zeit der Pandemie für drogenkonsumierende Menschen und deren Umfeld. Die Suchthilfe ist da für Viele ein Rettungsanker“, konstatiert Elke Wallenwein, Vorsitzende der Landesstelle für Suchtfragen. „Deshalb sind wir sehr froh, dass wir die Suchtberatungsstellen als Krisenanlaufstellen weitgehend aufrechterhalten konnten“, so Wallenwein. Die steigenden Zahlen der Menschen, die sich zurzeit in Suchtberatungsstellen melden, bestätigt diese Annahme. Für die Suchthilfe bedeutet dies ein Kraftakt in jeder Hinsicht – personell, logistisch, finanziell und letztlich auch menschlich.

Die Suchthilfe mit den Arbeitsfeldern Beratung, Kontaktläden, Streetwork, stationäre und ambulante Suchttherapie, betreutes Wohnen, Begleitung der Substitution, Beratung für Angehörige und Arbeit mit Kindern suchtkranker Eltern steht nicht nur in Krisenzeiten parat, sondern sorgt auch dauerhalft für berufliche und soziale Teilhabe. Allerdings muss in einer Krise dieser Größenordnung auch längerfristig mit massiven somatischen, psychischen und sozialen Auswirkungen gerechnet werden. Konsumverhalten verändert sich und neue Bedarfe entwickeln sich. Die Landesstelle zeigt sich besorgt. „Die Suchthilfe arbeitet mit den zur Verfügung stehenden Mitteln jetzt schon über dem Limit. Wir werden auf allen Ebenen dafür kämpfen, dass wir diese gefährdete und behandlungsbedürftige Personengruppen weiterhin angemessen beraten, begleiten und behandeln können“ – erklärt die Vorsitzende.

Auch die Selbsthilfegruppen versuchen ihr Bestes, um sich gegenseitig zu stützen und Isolation zu überwinden. Das ist nicht leicht. Ein Telefonat oder eine Skype-Schalte mildern zwar den Leidensdruck, ersetzen aber nicht die persönliche Begegnung in der Gruppe. Von zunehmenden Rückfällen kann leider auch die Selbsthilfe berichten.

Große Sorgen machen sich die Fachkräfte in der Suchthilfe um die Kinder, die in suchtbelasteten Familien leben. Die ohnehin belastete Lebenssituation der Kinder verschärft sich durch die Isolation erheblich bis hin zu traumatischen Situationen. „Überall wo es möglich ist, versuchen wir den Kontakt zu halten. Das Kindeswohl liegt uns sehr am Herzen“, fasst Wallenwein die Lage zusammen.

Die Pandemie ist wie ein Brennglas, unter dem die gesellschaftlich wichtigen Aufgaben, die sonst fast im Verborgenen wirken, deutlich hervortreten. Die Sucht- und Drogenhilfe gehört dazu.