Umsetzung Pflegeberufereform — Regionaler Koordinierungsbedarf

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Ministerium für Soziales und Integration             
Herrn Minister Manfred Lucha  
Postfach 103443             
70029 Stuttgart

Stuttgart, 10.12.2018

Umsetzung Pflegeberufereform — Regionaler Koordinierungsbedarf:
Bitte um ministerielle Unterstützung

Sehr geehrter Herr Minister Lucha,

zum 1. Januar 2020 tritt die Pflegeberufereform in Kraft, mit der die bisherigen Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einem neuen einheitlichen Berufsbild weiterentwickelt werden. Zugleich wird ein Wahlrecht eingeführt, ab dem dritten Ausbildungsjahr eine Vertiefung in der „Altenpflege" oder „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege" anzustreben sowie eine grundständige hochschulische Pflegeausbildung mit vergleichbaren Praxiseinsätzen ermöglicht. Dies stellt alle Beteiligten, die Einrichtungen und Dienste als Träger der praktischen Ausbildung, die Schulen und Hochschulen, aber auch die Auszubildenden selbst vor erhebliche Herausforderungen.

Die Expert*innen der Liga der freien Wohlfahrtspflege sind sich mit den Sachverständigen der BWKG, des Landkreistags und der Pflegeschulen einig, dass im Rahmen der Pflegeberufereform Ausbildungs-, Schul- und Studienplätze akut gefährdet sind, wenn die zukünftig differenzierten Praxiseinsätze nicht für alle Auszubildenden/Studierenden der Pflege (möglichst flächendeckend im Land und wohnortnah) gesichert sind.

Die Expert*innen empfehlen
  • die Einrichtung von neutralen Koordinationsstellen in den Stadt- und Landkreisen, die Praxisstellen der zukünftigen Pflegeausbildung (z. B. in der ambulanten und stationäre Pflege, Pädiatrie, Psychiatrie) registrieren und mit den erforderlichen Praxiseinsätzen der Auszubildenden bzw. Studierenden koordinieren;
  • den Einsatz von Planungsinstrumenten und Abstimmungsverfahren, die Träger der praktischen Ausbildung und Pflegeschulen/-hochschulen bei der Sicherstellung der Praxiseinsätze und vorgeschriebenen Abläufe unterstützen, um eine ordnungsgemäße Pflegeausbildung anbieten zu können.
Da die bisherigen Bemühungen des Ministeriums für Soziales und Integration noch keine flächendeckende Resonanz in den Stadt- und Landkreisen fand, bittet Sie die Liga der freien Wohlfahrtspflege als den für die Umsetzung der Pflegeberufereform verantwortlichen Minister
  • die Stadt- und Landkreise erneut zu motivieren, die Aufgaben der Sicherung und Koordination der Praxiseinsätze während der Pflegeausbildung/-studiengänge (z. B. im Rahmen der Sozialplanung) zu übernehmen;
  • mit den Verantwortlichen der Stadt- und Landkreise über die Finanzierung dieser Aufgabe zu beraten und gegebenenfalls Landesmittel einzusetzen.
Da bereits zum Abschluss des Ausbildungsvertrags feststehen muss, wann und wo die Praxiseinsätze der einzelnen Auszubildenden stattfinden, besteht umgehender Handlungsbedarf. Wenn die Kooperationen und Abläufe 2019 vertraglich nicht vereinbart werden, sind dramatische Rückgänge bei der Pflegeausbildung 2020 zu befürchten. Bereits jetzt zeichnen sich Engpässe in den speziellen Bereichen der pädiatrischen Versorgung, der allgemein-, geronto- und jugendpsychiatrischen Versorgung sowie in einigen Kreisen bei den ambulanten Diensten oder bei der stationären Akutpflege ab.

Die Gewährleistung einer wohnortnahen, umfassenden pflegerischen Versorgung von Menschen aller Altersgruppen und aller Versorgungsbereiche ist eine Aufgabe, die nur vom Land sowie von den Kommunen, Ausbildungsträgern und sonstigen Akteuren gemeinsam erfüllt werden kann. Den Stadt- und Landkreisen kommt dabei als Träger der Daseinsvorsorge eine besondere Bedeutung zu. Die Liga der freien Wohlfahrtspflege und ihre Mitgliedsorganisationen sind gerne bereit, sich an den regionalen Abstimmungs- und Koordinierungsprozessen zu beteiligen, damit möglichst kein Ausbildungsplatz in der Pflege verloren geht.

Sehr geehrter Herr Minister Lucha, wir hoffen auf Ihre Unterstützung!

Mit freundlichen Grüßen

Reinhold Schimkowski
Vorstandsvorsitzender

Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.

Stauffenbergstraße 3
70173 Stuttgart
Tel  0711 / 619 67 - 0
Fax 0711 / 619 67 - 67