Welche Auswirkungen haben „Anker-Zentren“?

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von Prof. Dr. Sabine Hess, Prof. Dr. Andreas Pott, Prof. Dr. Hannes Schammann, Prof. Dr. Albert Scherr und Prof. Dr. Werner Schiffauer

August 2018

EINLEITUNG

Anfang August 2018 sind in Bayern die ersten Ankunfts-, Entscheidungs- und Rückführungszentren („Anker-Zentren“) in Betrieb gegangen. Weitere Einrichtungen in anderen Bundesländern sollen folgen.Geflüchtete sollen bis zu 18 Monate in einem Anker-Zentrum bleiben, nur Personen mit anerkanntem Asylstatus oder positiver Bleibeperspektive sollen anschließend auf die Kommunen verteilt werden.

Zahlreiche Fragen zu den Anker-Zentren sind jedoch noch offen: Beschleunigen sie die Asylverfahren? Werden die betroffenen Kommunen entlastet? Welche Folgen haben die Anker-Zentren für die Geflüchteten? Diesen Fragen geht die vorliegende Kurzstudie nach.

Die Untersuchung zeigt: Anker-Zentren werden die Probleme verschärfen, die derzeit bereits in Sammelunterkünften zu beobachten sind. Zudem werden die Folgen weit über die Zentren hinaus spürbar sein: In ihrer näheren Umgebung, aber auch gesamtgesellschaftlich können sie enorme Konflikte hervorrufen.

Die zentralen Ergebnisse der Expertise:

• Die Anker-Zentren werden zur weitgehenden Isolation und zu hohen Belastungen bei Geflüchteten führen, was deren soziale und berufliche Integration erschweren wird. Dies wird hohe Folgekosten hervorrufen, um die „nachholende“ Integration im Anschluss zu finanzieren.

• In den vergangenen Jahren nahmen Kommunen und Initiativen eine zentrale Rolle in der Integrationspolitik ein. Die Anker-Zentren ignorieren die Bedeutung der lokalen Unterstützungsstrukturen und laufen Gefahr, deren Wissen zu verlieren.

• Anker-Zentren werden als Fremdkörper in den betroffenen Kommunen wahrgenommen werden. Zudem können sie einen Nährboden für Vorurteile liefern.

• Ob die Asylverfahren beschleunigt werden, ist fraglich.

• Vor allem das EU-Recht fordert eine Berücksichtigung der speziellen Situation vulnerabler Gruppen wie Frauen und Kinder. Die bisherige Planung der Anker-Zentren wird den Anforderungen aus internationalen Abkommen und Konventionen nicht gerecht.

Die komplette Studie können Sie hier nachlesen:
2018-08-Kurzstudie-Mediendienst-Integration-Expertise_Anker-Zentren_August_2018.pdf

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