Hartz IV: „Sanktionsfrei“ und Paritätischer Gesamtverband fordern menschenwürdige, sanktionsfreie und bedarfsdeckende Grundsicherung und starten gemeinsame Infokampagne

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Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert armutsfeste Grundsicherung

Berlin/Stuttgart 07.07.2020    Mit Großplakaten, die für die nächsten zehn Tage bundesweit an S- und U-Bahnhöfen aushängen, starten Sanktionsfrei e.V. und der Paritätische Wohlfahrtsverband heute unter dem Motto „HartzFacts“ eine gemeinsame Informationskampagne, um Vorurteile gegenüber Hartz IV-Beziehenden auszuräumen. Ziel ist es, Betroffenen den Rücken zu stärken und politischen Druck aufzubauen für eine menschenwürdige Grundsicherung. Die beiden Organisationen fordern eine Abschaffung der Sanktionen und die deutliche Anhebung der Regelsätze in der Grundsicherung auf ein bedarfsgerechtes Niveau von mindestens 600 Euro.

„Menschen, die Hartz IV beziehen, sind einem extrem hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Sie haben keine finanziellen Rücklagen und sind auf eine auskömmliche Grundsicherung angewiesen“, betont Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Wir müssen den betroffenen Menschen wirkliche Hilfen und Perspektiven anbieten, anstatt sie weiter an den gesellschaftlichen Rand zu drängen. Wir brauchen endlich eine Politik, die Armut überwindet und sozialen Aufstieg ermöglicht. Eine menschenwürdige Grundsicherung muss das Existenzminimum sichern und armutsfest sein“, fordert Wolfgramm. Notwendig seien Unterstützungssysteme in Form von individuellen Hilfen, die jedem Einzelnen mehr Teilhabe und echte Zukunftschancen biete. „Diese Menschen brauchen eine Lobby“, so die Vorstandsvorsitzende. Die Kommunen könnten mit ergänzenden Förderungen über die Sozialhilfe maßgeblich zu einer menschenwürdigen Grundsicherung beitragen.

„Das Wohnen wird für arme Menschen zur neuen Sozialen Frage“, ergänzt Brigitte Rösiger, Geschäftsführerin des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter VAMV Landesverband Baden-Württemberg e.V.. „Alleinerziehende mit niedrigem Einkommen brauchen mehr Entlastung von den Wohnkosten. Bei den Sozialleistungen müssen die Kosten für eine neue, angemessene Wohnung auch dann wieder voll übernommen werden, wenn sie teurer ist als die bestehende. Außerdem soll das Wohngeld sich analog zu Mietsteigerungen erhöhen“, so Rösiger. 

Gemäß dem Arbeitsmarktbericht für Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen im Land binnen Jahresfrist um 86.333 Personen auf 276.492 Menschen im Juni 2020 angestiegen. Davon entfielen 126.297 auf die Arbeitslosenversicherung (Arbeitsagenturen) und 150.195 auf die Grundsicherung (Jobcenter).

Hier finden Sie die Kampagnen-Webseite https://hartzfacts.de auf der auch Geschichten, Fakten und Vorurteile, sowie ein Wissens-Quiz zu finden sind.

Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg                             

Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg ist einer der sechs anerkannten Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege. Er ist weder konfessionell, weltanschaulich noch parteipolitisch gebunden. Mit seinen Handlungsmaximen Vielfalt, Offenheit und Toleranz steht der Verband für Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Teilhabe und wendet sich gegen jegliche Form sozialer Ausgrenzung. Ihm sind in Baden-Württemberg über 880 selbstständige Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 4.000 sozialen Diensten und Einrichtungen angeschlossen sowie rund 40.000 freiwillig Engagierte. Weitere Infos unter www.paritaet-bw.de

VAMV Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Seit 1967 unterstützt der VAMV Alleinerziehende bundesweit durch Informationen, professionelle Beratung und engagierte Lobbyarbeit. Die Lebensrealität von Familien hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Immer mehr Eltern erziehen ihre Kinder alleine. Das Alleinerziehen stellt hohe Anforderungen an die Mütter und Väter und fordert ihren ganzen Einsatz und ihre ganze Persönlichkeit. 339.000 Alleinerziehende in Baden-Württemberg, die mit 489.000 Kindern zusammenleben sind geschieden, getrennt lebend, verwitwet oder einfach ledig. 90 Prozent von ihnen sind Frauen. Die Lebenslage Alleinerziehend wird strukturell benachteiligt. Alleinerziehende und ihre Kinder leben deshalb überdurchschnittlich oft in Armut, obwohl sie in hohem Maße erwerbstätig sind. Das ist auch Ausdruck und Folge der Benachteiligung von Eltern und Frauen in der Gesellschaft. Der VAMV steht für Solidarität, Unterstützung und Motivation, insbesondere in schwierigen Lebensphasen. Gleichermaßen verstehen wir uns als politische Kraft und arbeiten konstruktiv in verschiedenen Politikbereichen mit. Weitere Infos unter www.vamv-bw.de. Pressekontakt: Brigitte Rösiger, Geschäftsführerin, Tel. Tel 0711 2484 7118, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



Hina Marquart M.A.
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