Corona trifft die Ärmsten der Armen besonders hart

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Diakonie Württemberg zum Internationalen Tag der Roma am 8. April 2020

Stuttgart, 6. April 2020.
Die Situation der Roma verschlechtert sich durch die Corona-Pandemie drastisch. Familien sind aufgrund der extrem schlechten Hygienebedingungen in Roma-Siedlungen einem hohen Infektions-Risiko ausgesetzt, mehr als 5.000 Roma-Familien in Serbien haben keinen Zugang zu adäquaten Trinkwasser.

Die Diakonie in Württemberg engagiert sich mit ihrer Hilfsaktion Hoffnung für Osteuropa zusammen mit der lokalen Hilfsorganisation Ecumenical humanitarian Organisation (EHO) verstärkt bei der wirtschaftlichen und sozialen Integration von Roma-Familien in Serbien und ruft zu Spenden angesichts der verschärften Lage auf.

Seither unterstützt die Diakonie beim Erlernen der serbischen Sprache, damit die Kinder die Schule besuchen können, bei der Beschaffung von Dokumenten, damit die Familien gleichberechtigte Staatsbürger werden können, bei der Existenzgründung, damit auch Roma von ihrer Arbeit leben können – die Angebote von EHO sollen den schwierigen Start erleichtern. „Rückkehrer sind besonders von Armut, Wohnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit betroffen“, stellt Oberkirchenrat Dieter Kaufmann fest. „Deshalb müssen wir vor allem die Roma bei der wirtschaftlichen und sozialen Wiedereingliederung in ihrem Herkunftsland unterstützen – und jetzt sehr akut bei der Verbesserung der hygienischen Bedingungen.“

Roma ergänzten ihr Haushaltsbudget durch das Sammeln von Sekundärrohstoffen, Bauarbeiten, Saisonarbeiten in der Landwirtschaft oder bei Dienstleistungen wie Friseuren, Pediküren, Konditoren, Musikern und dergleichen, was durch den verhängten Ausnahmezustands in Serbien (seit 16.3.2020) und einem Bewegungsverbots nach 17 Uhr und 15 Uhr am Wochenende nun behindert oder erheblich reduziert. Bei staatlichen Hilfspaketen für Unternehmen und Beschäftigte gehen sie leer aus. Schulkinder und ihre Eltern stehen vor den Herausforderungen des Fernunterrichts, scheitern aber oft schon an der technischen Ausrüstung, da viele keinen Fernseher, kein Internet oder nicht einmal Strom haben. Momentan reicht die Schutzkleidung nur für Mitarbeitende aus der häuslichen Pflege aus, alle andere Hilfsbereiche mussten geschlossen werden.

Zusätzlich beeinträchtigen die Corona-Einschränkungen hierzulande auch die Arbeit in Osteuropa: Ein Großteil der Arbeit wird über Kollekte der Gottesdienste an Karfreitag finanziert. Dass die Gottesdienstopfer nicht in der üblichen Weise zustande kommen, bedeutet für die Partnerorganisationen in Osteuropa einen radikalen Ausfall an unterstützenden Projektmitteln, die momentan mehr als dringend benötigt werden.

Mit der Aktion Hoffnung für Osteuropa setzen sich die Evangelische Landeskirche und die Diakonie in Württemberg seit fast 30 Jahren für benachteiligte Gruppen in Ost- und Südosteuropa ein. In mehr als 30 Projekten jährlich werden Roma in Serbien, Rumänien und der Slowakei, Flüchtlinge in Rumänien und Griechenland, Menschen mit Behinderungen in Kosovo und Russland und andere Gruppen von benachteiligten Menschen in Osteuropa unterstützt.

Der Internationale Roma-Tag erinnert an den ersten Weltkongress der Roma in London 1971. Dieser wollte unter anderem gegen die gesellschaftliche Marginalisierung der Roma und für eine gemeinsame positive Zukunft Zeichen setzen.


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