Langzeitarbeitslosigkeit ist für viele Menschen Sackgasse

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  • Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Baden-Württemberg nennt zurecht benachteiligte Gruppen
  • Zahl der Langzeitarbeitslosigkeit berücksichtigt nicht alle Betroffenen

Stuttgart, 9. Juli 2019.
Die Diakonie Württemberg begrüßt, dass die heute veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Baden-Württemberg (IAB) die besonders von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Bevölkerungsgruppen ins Zentrum rückt – und auch diejenigen, die kaum Chancen auf eine Rückkehr auf den regulären Arbeitsmarkt haben. „Die Diakonie hat seit Jahren einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor gefordert, da sie den Menschen in seiner Bedürftigkeit nach Anerkennung sieht. Jeder Mensch will und soll seine von Gott geschenkten Gaben einbringen dürfen“, sagt Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Zahl der 50.000 jetzt noch als langzeitarbeitslos gemeldeten Menschen nicht alle Betroffenen berücksichtigt. Zwar gelang es (nach Statistik der BA, Arbeitsmarktreport Juni 2019) im vergangenen Monat 25.367 langzeitarbeitslosen Menschen, ihre Arbeitslosigkeit zu beenden – jedoch war es nur einem vergleichsweise geringem Teil möglich, eine Beschäftigung aufzunehmen (4.259). So ist die Überwindung von Arbeitslosigkeit häufig nur von begrenzter Dauer. Die Abgänge hängen zum Teil mit Krank-heit, dem Renteneintritt oder der Teilnahme an arbeitsmarkpolitischen Maßnahmen zusammen. Gleichzeitig erfolgen Übergänge in Erwerbstätigkeit oftmals durch die Aufnahme einer prekären Beschäftigung. Dabei droht wieder Arbeitslosigkeit.

„Ergänzend zu den in der Studie benannten Benachteiligten, nämlich Älteren, Menschen mit fehlender schulischer oder beruflicher Ausbildung und Alleinerziehenden, sind unbedingt Menschen zu nennen, die lange krank waren und Vermittlungshemmnisse wie eine Suchter-krankung oder psychische Probleme haben“, sagt Kaufmann. Nachdem allein 44 Prozent zu den Risikogruppen Personen ab 55 Jahren und Alleinerziehende zuzuordnen sind, steige der Anteil dieser Gruppe dadurch noch.

„Als Diakonie lassen wir diese Menschen nicht alleine. Wir wissen von unseren diakonischen Beschäftigungsunternehmen, dass fast alle von ihnen arbeiten wollen, sie leiden unter dem Verlust des Selbstwertgefühls und an sozialer Isolation“, sagt Kaufmann. Aufgrund der Komplexität der Problemlagen und Bedarfe von Betroffenen sei es notwendig, individuell zugeschnittene, passgenaue und ganzheitliche Fördermöglichkeiten für langzeitarbeitslose Menschen zu konzipieren, um eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt zu erreichen. Das seit Januar diesen Jahres geltende Teilhabechancengesetz bezeichnet er als “einen ersten Schritt in die richtige Richtung“. Jedoch gebe es hier noch erheblichen Korrekturbedarf – beispielsweise, was die Rahmenbedingungen des Coachings betrifft. Gleichzeitig müssen Arbeitgeber und Arbeitsuchende in Zukunft besser zusammenfinden, dafür brauche es entsprechende Anreize.

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