Pressekonferenz zur Stichtagserhebung 2016 - Pressestatement Heiner Heizmann

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Die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg hat zum 25. Mal in den Einrichtungen und Diensten der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege die Anzahl der betreuten Personen in den Hilfen nach §§ 67ff. SGB XII erhoben. Insgesamt 11.494 hilfesuchende Menschen wurden am Stichtag 30. September 2016 von 322 kommunalen und freien Einrichtungen der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe beraten und unterstützt, davon 27 Prozent Frauen. Damit ist der Hilfebedarf mit einem Plus von 412 Personen gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Diese Menschen haben einen Rechtsanspruch auf diese Unterstützung, welcher sich aus §§ 67 ff. SGB XII, Hilfen für Menschen in besonderen Lebenslagen, ergibt – und auch nur diese Menschen werden von uns gezählt. Wir sprechen von Menschen in sozialer Ausgrenzung und Wohnungsnot, da dies sehr gut die Lage wiedergibt, in der sich die Personen befinden.
Nach wie vor macht die Gruppe der 25-49-Jährigen mit rund 48 Prozent den größten Anteil der Hilfesuchenden aus. Jedoch ist seit Jahren zu beobachten, dass die Altersgruppe der Über-50-Jährigen kontinuierlich zunimmt und auch 2016 mit einem Plus von 11 Prozent erneut den größten Zuwachs aller Altersgruppen verzeichnet.
Während die weit überwiegenden Teile der Hilfesuchenden Deutsche ohne Migrationshintergrund sind, liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund und anderer Staatsangehörigkeit mit rund 31 Prozent über dem gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt. Dieser Personenkreis ist also häufiger von Wohnungslosigkeit betroffen als ihr Anteil in der Gesellschaft.
Nachdem sich in der Verteilung der Hilfesuchenden in den letzten Jahren fast ein Gleichstand zwischen Stadt- und Landkreisen gebildet hat, ist der Gesamtzuwachs 2016 überwiegend auf die Stadtkreise verteilt. Dennoch nahmen in mehr als der Hälfte der Landkreise die Zahl der Hilfesuchenden gegenüber dem Vorjahr zu. Diese fast paritätische Verteilung der Hilfesuchenden auf die Stadt- und Landkreise macht die Notwendigkeit eines flächendeckenden Hilfesystems deutlich, dass unabhängig vom Aufenthaltsort einen Zugang zu schneller unbürokratischer Hilfe ermöglicht.
Wie bereits im letzten Jahr wird auch 2016 erneut deutlich, dass die Ergebnisse der Stichtagserhebung zu vergleichbaren Aussagen wie die 2015 vom Land veröffentlichte Untersuchung zur Struktur der Wohnungslosigkeit in Baden- Württemberg (GISS-Studie) kommt. Die Liga unterstützt weiterhin aktiv die Umsetzung der Handlungsempfehlungen der sogenannten GISS-Studie, besonders die Implementierung einer jährlichen amtlichen Wohnungsnotfallstatistik in Baden- Württemberg, die alle Angebote von kommunalen und freien Trägern einschließt, wie auch die Entwicklung eines landesweiten Fachkonzepts.

Heiner Heizmann

Liga Unterausschuss Straffälligenhilfe / Wohnungslosenhilfe Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V. Kompetenzfeld Sozialpolitik / Kompetenzfeld Einkommen


Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.

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