Pflege-Experten: Bessere Rahmenbedingungen in der Pflege nötig

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Stuttgart, 6. März 2018 – Für Pflegebedürftige wird es immer schwieriger, einen Platz im Pflegeheim oder eine Sozialstation für die häusliche Pflege zu finden. Auf einer Versammlung der katholischen Altenhilfe-Träger im Bistum Rottenburg-Stuttgart äußerten die Teilnehmer am Dienstag (6. März) auf ihrer Jahresversammlung in Stuttgart die Befürchtung, dass sich diese Versorgungsengpässe in der Pflege künftig sogar noch verschärfen. In der Kurzzeitpflege herrsche bereits jetzt ein eklatantes Versorgungsdefizit mangels ausreichender Platzzahlen.
Grund dafür seien zum Teil zu restriktive gesetzliche Vorgaben, die den Betrieb von Einrichtungen und Diensten erschwerten, die unattraktiven Rahmenbedingungen, unter denen Pflegekräfte arbeiten müssten, und der relativ große Aufwand für Bürokratie in der Pflege. Eine hohe Fluktuation in der Mitarbeiterschaft und zunehmender Personalmangel seien die Folge. Dies wiederum zwinge die Einrichtungen und Dienste schon jetzt immer öfter dazu, Aufnahmestopps zu verhängen, da ohne genügend Fachpersonal der Betrieb von Einrichtungen nicht verantwortbar sei. Insofern sei ein Umsteuern in der Pflege dringend notwendig. Einstimmig verabschiedeten die Mitglieder des Netzwerks Alter und Pflege im Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart eine entsprechende Resolution. Das Netzwerk ist die Zusammenfassung aller katholischen Anbieter stationärer und ambulanter Pflegeangebote in der Diözese.
„Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage" in Pflege
Die Netzwerk-Mitglieder wiesen auch auf das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage hin, das bereits seit langem spürbar sei: Während sie ihre Leistungen in Teilen zurückfahren müssten, steige gleichzeitig die Nachfrage nach Unterstützung und Pflege, da die Zahl pflegebedürftiger Menschen ständig zunehme. Allein im vergangenen Jahr sei deren Zahl wegen der jüngsten Reform der Pflegeversicherung bundesweit um rund eine halbe Million gestiegen. Das Wegbrechen traditioneller Familiensysteme, die zurzeit oft die Pflege ihrer Angehörigen übernehmen, werde diese Entwicklung noch erheblich beschleunigen.
Angesichts der dramatischen Situation plädierten die Mitglieder des Netzwerks Alter und Pflege in ihrer Resolution für einen Systemwechsel in der Pflege. Dieser Wechsel müsse dauerhaft zu einer bezahlbaren Pflege führen. Schon jetzt bezögen rund 40 Prozent der Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen Leistungen der Sozialhilfe, da ihr Anteil an den Kosten für die Pflege ständig steige. Auch der Aufwand für die Behandlungspflege im Pflegeheim durch zusätzliches Personal müsse von den Krankenkassen vergütet werden. Das Land müsse seinen Beitrag dazu leisten, dass vorhandene Pflegeplätze erhalten blieben. Dies könne beispielsweise durch eine Rücknahme von zu restriktiven Vorgaben durch die Landesheimbauverordnung geschehen. Außerdem könne die Landesregierung neue Impulse für eine gelingende Pflege setzen, indem sie die Anforderungen für die Umsetzung neuer Wohnformen wie ambulant betreuter Wohngemeinschaften zurückschraube und für akzeptable Bedingungen beim Ausbau der Kurzzeitpflege sorge, der dringend erforderlich sei.
Katholische Träger: Mehr als eine weitere, kleine Reform nötig
Die Pflege-Experten begrüßten die jüngste Reform der Pflegeversicherung: Dadurch könnten nun weitere rund 500.000 Menschen Leistungen beziehen. Dies sei besonders bei Demenzkranken sehr positiv. Jetzt sei allerdings mehr als eine weitere, kleine Reform nötig, um den vielfältigen Problemen auch in Zukunft gerecht werden zu können. Das Netzwerk regte neben der Weiterentwicklung des Gesetzes für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege (WTPG) vor allem einen Bürokratieabbau im Zusammenhang mit Prüfungen an. Außerdem sollten die Erfahrungen ausgewertet werden, die bei der Umsetzung der Landespersonalverordnung gemacht wurden. Darüber hinaus müsse den Einrichtungen mehr Flexibilität beim Personaleinsatz eingeräumt werden.
Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, hatten katholische Träger von Altenhilfe-Einrichtungen bereits im April 2013 die Kampagne „1000 neue Chancen" gestartet, mit der sie die Vorteile des Berufs und einer Anstellung herausstellten.
Statistik
Ende 2015 gab es in Baden-Württemberg 330.000 Pflegebedürftige. Von ihnen wurden 66.000 durch ambulante Dienste versorgt, 89.000 wurden vollstationär, 9.000 teilstationär gepflegt; 3.500 waren in der Kurzzeitpflege. 170.000 Menschen erhielten Pflegegeld, wurden also überwiegend von Angehörigen versorgt. Die Zahlen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg für 2017 liegen noch nicht vor. Sie werden im Bereich Pflege nur alle zwei Jahre erhoben.
Das Netzwerk Alter und Pflege
Das Netzwerk Alter und Pflege ist ein Zusammenschluss der 70 katholischen Träger ambulanter und stationärer Dienste in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Baden-Württemberg. Das Netzwerk versteht sich als Zusammenfassung und Vertretung der Interessen aller katholischen Anbieter von ambulanter und stationärer Pflege im Bistum.
Weitere Informationen unter www.netzwerk-alter-und-pflege.de

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