Gemeinsame Pressemeldung zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November 2017

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Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Deutsche Kinderschutzbund fordern eine soziale Bildungspolitik mit gleichen Chancen für alle Kinder

Der Zusammenhang zwischen Armut und geringen Bildungschancen ist unstrittig. Das belegt erneut die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Kinderarmut in Deutschland. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg und der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Baden-Württemberg fordern anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte von der künftigen Bundesregierung eine Politik, die vergleichbare Bildungschancen für alle Kinder schafft. Das bedeute auch einen grundlegenden Kurswechsel bei der Bekämpfung von Kinderarmut. „Zur Überwindung von Armutslagen ist ein koordiniertes Vorgehen von Bund, Ländern, Kommunen und Zivilgesellschaft in den tangierten Politikfeldern wie Soziales, Gesundheit, Bildung, Umwelt, Stadtplanung und Wohnungsbau erforderlich“ sagt Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg. Auch das Kinderland Baden-Württemberg müsse das abgrenzende Ressortdenken der Länderministerien überwinden und die Bekämpfung der Kinderarmut zur aktiven und gelebten Querschnittsaufgabe machen.

„Bis heute warten wir vergeblich darauf, dass die Landesregierung nachhaltige Konsequenzen aus dem Armuts- und Reichtumsbericht für Baden-Württemberg zieht und Kindern aus Familien mit geringem Einkommen eine echte Chance auf kulturelle und soziale Teilhabe ermöglicht. Nur so können wir verhindern, dass sich Armut von Generation zu Generation überträgt und so aus Kindern armer Eltern die Eltern armer Kinder werden“, erklärt Wolfgramm. „Wir brauchen endlich eine soziale Bildungspolitik, die auf Chancengerechtigkeit ausgerichtet ist. Die Schule der Zukunft muss eine in das Gemeinwesen integrierte Ganztagsschule mit vielfältigen, für alle Kinder und Jugendlichen zugänglichen außerschulischen Bildungsangeboten sein“, so die Vorstandsvorsitzende. Außerdem fordert der Verband ein möglichst langjähriges gemeinsames Lernen aller SchülerInnen, den Ausbau der Ganztagsschule auch in der Sekundarstufe II sowie eine im Schulgesetz verankerte Verpflichtung zur Kooperation von Ganztagsschulen mit der Kinder- und Jugendhilfe.

„Grundsätzlich sollte jedes Kind ohne soziale Einschränkung Zugang zu Bildung haben. Gleichzeitig ist jedoch klar, dass der Zugang zu Bildung bereits in den ersten Lebensjahren von der sozialen Herkunft der Eltern, deren Bildungsstand, vom Einfluss der Familienumgebung und des gesamten sozialen Kontextes entscheidend beeinflusst wird“, betont Dr. Andeselassie Hamednaka, Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Baden-Württemberg e.V.. „Im Hinblick auf Migrantenkinder spielen auch Probleme wie sprachliche Barrieren, die die Eltern vorfinden, das Alter der Kinder, deren Entwicklungsstand und Gesundheit, deren Herkunft, mögliche Fluchterlebnisse, deren jetzige Verfassung sowie die neue Unterkunft und Umgebung der Familie eine wichtige Rolle. Allerdings sind weder einheimische noch Kinder mit Migrationshintergrund für ihre Ausgangslage verantwortlich“, so Dr. Hamednaka. Entscheidend sei hier, dass all diese Gesichtspunkte von verantwortlicher Stelle differenziert wahrgenommen würden und zum frühesten möglichen Zeitpunkt entsprechende Hilfsmaßnahmen eingeleitet, beziehungsweise Unterstützung angeboten werde. Nur so könne den Kindern der Zugang zu Bildung ermöglicht und ihnen Zukunftsperspektiven eröffnet werden.

Beide Verbände setzen sich dafür ein, die Rechte der Kinder in einem neu zu schaffenden Artikel 2a in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen.

Pressekontakt Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Baden-Württemberg e.V.: Dr. rer. soc. Andeselassie Hamednaka, Geschäftsführer, Tel. 0711 / 24 28 18,
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