Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

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Baden-Württemberg muss Hilfesystem für von Partnergewalt betroffene Frauen ausbauen
Aktuelle Erhebung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt: Versorgungslandschaft kann Bedarf nicht decken

Eine aktuelle Erhebung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg zeigt, dass die Anzahl der Frauenhausplätze und das ambulante Beratungsangebot im Land zu gering sind. Die 42 Frauenhäuser und die rund 70 ambulanten Fachberatungs- und Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt in Baden-Württemberg reichen für eine adäquate Versorgung gewaltbetroffener Frauen nicht aus. Von den jährlich ca. 164.000 akut von Partnergewalt betroffenen Frauen (berechnet aus FRA-Studie 2014) im Jahr 2016 konnten nur 1.500 Frauen mit 1.600 Kindern Schutz in einem Frauenhaus finden. 90 Prozent der Frauenhäuser mussten anfragende Frauen wegen Vollbelegung abweisen.

„Es kann nicht sein, dass schutzsuchende Frauen Wartezeiten in Kauf nehmen müssen bis sie in einem Frauenhaus aufgenommen werden können. In Ballungsräumen ist phasenweise über mehrere Wochen kein Platz frei. Um dem Bedarf gerecht zu werden, muss die Zahl der Frauenhausplätze von bisher 750 in Baden-Württemberg entsprechend der Empfehlung der Frauenhauskoordinierung e.V. verdoppelt werden“, sagt Dr. Katrin Lehmann, Fachreferentin für Frauen und Mädchen beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg. „Auch im Hinblick auf ambulante Unterstützungsangebote gibt es noch viele „weiße Flecken“ auf der Landkarte. Es kann und darf nicht sein, dass Frauen davon abhängig sind wo sie leben, um die notwendige Hilfe zu erhalten, die sie akut brauchen. Deshalb steht das Land in der Pflicht, die Kommunen bei der Finanzierung zu unterstützen und damit für ein flächendeckendes Angebot zu sorgen“, so Dr. Lehmann.

Der Verband fordert eine einzelfallunabhängige Finanzierung der Frauenhäuser. Für Frauen mit hohen, komplexen Bedarfslagen müssten die Landesmittel erhöht und für gewaltbetroffene geflüchtete Frauen Einrichtungen mit einem speziellen Schutzkonzept geschaffen werden. Nicht-leistungsberechtigte Frauen ohne Anspruch auf Sozialleistungen (Hartz IV) brauchten eine verbindliche finanzielle Regelung des Landes über einen sogenannten Notfall-Fond.


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