Arbeitslosenzahlen: nicht wirklich positiv

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Zwar gibt es insgesamt 129.200 Beschäftigte mehr als vor einem Jahr (insgesamt 4.563.700), doch die positive Entwicklung des Arbeitsmarkts schlägt sich nicht im Abbau der Arbeitslosigkeit nieder.

Die Arbeitsmarktentwicklung lässt die Arbeitslosen zurück. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes (www.statistik-bw.de/Presse/Pressemitteilungen/2017161) zeigen, dass die Beschäftigtenzahl schneller wächst als das Arbeitsvolumen. Es arbeiten also mehr Menschen – oft ungewollt - in Teilzeitarbeitsverhältnissen. Aktuell sind 399.646 Menschen als arbeitssuchend gemeldet. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist also fast doppelt so groß wie die reine Arbeitslosenzahl vermuten lässt.

Die Zahl der Unterbeschäftigten – derer, die krank oder in Maßnahmen, aber eigentlich auch arbeitslos sind, fällt mit 292.804 ebenfalls deutlich höher aus als die der registrierten Arbeitslosen. Diese Zahl ist außerdem gegenüber dem Vormonat und vor allem gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich geringer gesunken als die Arbeitslosenzahl.

Der Bericht der Arbeitsagentur weist aus, dass im September zwar 72.844 Personen ihre Arbeitslosigkeit beendeten, dass aber nur 22.586 Personen aus der Arbeitslosigkeit in eine Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt übergehen konnten. Nur 17,1 Prozent derjenigen, die aus dem SGB II, also dem Bezug von Hartz-IV-Leistungen, heraus ihre Arbeitslosigkeit beendeten, konnten auch eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Von den SGB-III-Empfängern, die aus der (Kurzzeit-)Arbeitslosigkeit abgingen, waren das immerhin 44 Prozent. Der Bestand an offenen Stellen ist mit 108.738, genau so hoch wie im Vormonat, aber dennoch kommen auf jede gemeldete offene Stelle rechnerisch immer noch fast 2 Arbeitslose.

Die Zahl der Menschen, die insgesamt von Hartz-IV-Leistungen leben – die Arbeitslosen im Rechtskreis SGB II und ihre Angehörigen – ist im Jahresverlauf deutlich um 23.126 auf 464.322 Menschen gestiegen. Allein die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten beträgt 329.748 und damit 12.039 mehr als vor einem Jahr. Diese Entwicklung ist deutlich negativer als die der reinen Arbeitslosenzahlen.

Scheinbar gelingt es den Menschen selbst bei Aufnahme einer Arbeit nicht, sich aus der Hilfebedürftigkeit zu befreien. Dieser Trend nimmt zu. Das Phänomen steigender Armut trotz Arbeit weitet sichaus und stellt ein ernsthaftes Alarmsignal dar. Auch der soeben erschienene neue Armutsbericht der Bundesregierung weist eine ständige Zunahme der „Working Poor“ aus, das sind die Menschen, die trotz Arbeit arm bleiben.

Die Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit zeigt sich unverändert an der durchschnittlichen Dauer der Arbeitslosigkeit für Langzeitarbeitslose, die im SGB-II-Bereich bei 584 Tagen liegt und damit erneut angestiegen ist, 9 Tage mehr als im Vormonat 14 Tage mehr gegenüber dem Vorjahresmonat. Es gibt zwar weniger Arbeitslose im Rechtskreis des SGB II, aber die bleiben dafürimmer länger arbeitslos.

Die Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit bleibt bestehen, sie nimmt entgegen anderslautender Meldungen zu. Demgegenüber beträgt die Dauer der Arbeitslosigkeit im SGB III, der Kurzzeitarbeitslosen, nur durchschnittlich 165 Tage. Konkret heißt das: Erwerbsfähige SGB II-Bezieher sind über dreieinhalb mal so lang in der Arbeitslosigkeit wie Leistungsbezieher im SGB-III-Bezug.

Die Diakonie fordert seit langem, die positive wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen, um Langzeitarbeitslosen durch eine qualifizierte öffentlich geförderte Beschäftigung die Teilhabe an Arbeit zu ermöglichen und eine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Stattdessen wird inzwischen für die Verwaltung der Arbeitslosigkeit doppelt so viel ausgegeben wie für Unterstützungs- und Eingliederungsmaßnahmen.

Sieht man sich die Budgets der Jobcenter (Zuweisungen 2016) an, die die Agentur für Arbeit für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung gestellt hat, standen den Jobcentern bundesweit 3,85 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon wurden für diesen Zweck allerdings nur knapp 3,13 Milliarden Euro ausgegeben – die Ausschöpfung stagnierte auf einem historischen Tiefstand. Diese Tendenz ist auch in Baden–Württemberg auf Ebene der regionalen Jobcenter feststellbar und für langzeitarbeitslose Menschen das falsche Signal.

Weitere Hinweise unter:

http://www.initiative-pro-arbeit.de/

http://www.o-ton-arbeitsmarkt.de/


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