Jeder Jugendliche hat eine faire Chance verdient!

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„Care Leaver“  im Gespräch mit Hilde Mattheis MdB, SPD
Der Übergang in das junge Erwachsenenleben ist für den weiteren Lebensweg von Jugendlichen entscheidend. Häufig werden jedoch diejenigen abgehängt, die in einer Einrichtung, einer Pflegefamilie oder Erziehungsstelle, einer Kinderdorffamilie oder anderen betreuten Wohnformen aufgewachsen sind. Diese sog. Care Leaver sind junge Menschen oder Erwachsene, die einen Teil ihres Lebens in Einrichtungen der Jugendhilfe (= Care) verbracht haben. In der Regel müssen die Jugendlichen die Hilfe zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr verlassen (= Leaver). Dadurch sind sie mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert und haben in der Regel während der Übergangszeit Schwierigkeiten, noch Unterstützung und Hilfe zu erhalten. Außerdem zeigt die Gewährung von Hilfen für junge Volljährige eine regional unterschiedliche Bewilligungspraxis des vor Ort zuständigen Jugendamtes. In 2015 waren davon allein in Baden-Württemberg 4.500 junge Menschen betroffen.
Care Leaver haben klare Forderungen an die Politik: Die Jugendhilfe muss über das 21. Lebensjahr hinaus für sie zuständig bleiben. Beim Übergang in die Selbstständigkeit ist eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen Unterstützungssystemen, feste Mentoren/innen bzw. Ansprechpartner/innen, eine sichere Finanzierung und die Möglichkeit, in die Jugendhilfe zurückzukehren, notwendig. Handlungsbedarf besteht auch bei der Kostenheranziehung der Jugendlichen während der Ausbildung. Der Verein Arkade JuMeGa® vermittelt junge Menschen, die im Sinne des Jugendhilferechtes von seelischer Behinderung bedroht sind, in Gast-/Pflegefamilien.

Diese Gastfamilien werden von sozialpädagogischem Fachdienst der Arkade begleitet. Am Standort Ulm sind es derzeit 57 junge Menschen. “Diese jungen Menschen gilt es, wenn sie erwachsen werden, auf ihrem Weg in die Selbständigkeit  zu stabilisieren, zu unterstützen und im sozialen Umfeld zu sichern. Der Übergang von dem Zuhause einer Ergänzungs- oder Ersatzfamilie in die Selbständigkeit bringt neue Herausforderungen mit sich. Diese müssen bewältigt werden. Hierfür braucht es Lotsen und Brückenbauer mit Gestaltungsmöglichkeit, sowie finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen für kreative heranwachsenden- und erwachsenpädagogische Unterstützung“, erklärt Werner Nuber, Bereichsleitung Jugendhilfe bei Arkade e.V.

Der Gesetzgeber geht in der Regel davon aus, dass mit Volljährigkeit ein selbständiges und eigenverantwortliches Leben möglich ist. Es besteht zwar ein Anspruch auf Hilfe für junge Volljährige bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres und in begründeten Einzelfällen auch darüber hinaus. Die Praxis zeigt ein anderes Bild. „Es kann nicht sein, dass von diesen jungen Erwachsenen ungleich mehr erwartet wird, als von der Gruppe Gleichaltriger, die zu diesem Zeitpunkt oft noch zuhause lebt. Sie haben in der Regel massive Einschnitte in ihrem Leben erfahren, Beziehungsabbrüche erlebt und verfügen häufig über keine tragfähigen familiären und sozialen Netzwerke. Der Gesetzgeber muss hier Verantwortung übernehmen und Care Leaver auf die gleiche Stufe mit allen jungen Erwachsenen stellen. Das bedeutet Stärkung der Rechtsansprüche junger Volljähriger sowie Heraufsetzung der Altersgrenze auf mindestens 24 Jahre,  die Sicherung von Bildungs- und Berufschancen, die Entwicklung sozialer Unterstützungs- und Beratungsangebote sowie die Stärkung der Selbstorganisation von Care Leavern, fordert Barbara Meier, Bereichsleiterin Jugend und Bildung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg.

Weiterer Pressekontakt:
Arkade e.V. JuMeGa® Junge Menschen in Gastfamilien, Werner Nuber, Bereichsleitung Jugendhilfe, Eisenbahnstraße 30/1, 88212 Ravensburg, Tel.: 0751 36655 955, Fax: 0751 36655 966, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.

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