Pressemitteilung zur Auftaktveranstaltung des Projekts Ombudschaft Jugendhilfe am 11.7.2017

E-Mail

Für die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Baden‐Württemberg tut sich etwas

„Ombudschaft in der Jugendhilfe ist keine Bedrohung für bestehende Strukturen, sondern sie will zwischen Konfliktparteien vermitteln, beispielsweise zwischen Jugendlichen und Jugendhilfeeinrichtungen. Das ist ihre große Chance. Die Herausforderung liegt darin, Zugang zu den jungen Leuten zu bekommen. Wie können die erreicht werden, die sich benachteiligt oder ungerecht in der Jugendhilfe behandelt fühlen?“ fragte Staatssekretärin Bärbl Mielich vom Ministerium für Soziales und Integration Baden‐Württemberg in ihrem Impuls zur Auftaktveranstaltung des Landesombudsprojekts Jugendhilfe und brachte damit zentrale Projektinhalte auf den Punkt.Annähernd 50 Interessierte aus Politik, Gesellschaft und Fachwelt waren ins Stuttgarter Haus der Wirtschaft gekommen, um sich über ein Thema auszutauschen, an dem die Ergebnisse des „Runden Tischs Heimerziehung“ und die Aufarbeitung der Geschichte der deutschen Heimerziehung in den 1950er‐ bis 1970er Jahren wesentlichen Anteil hat. „Für unser Ministerium ist Ombudschaft in der Jugendhilfe ein wichtiges Anliegen und Sie können mit unserer Unterstützung rechnen“, bekräftigte Staatssekretärin Mielich ihre Ausführungen zu Stärkung, Beteiligung und Schutz von Kindern und Jugendlichen und erhielt viel Applaus.

Mit dem Projekt „Aufbau und Implementierung eines unabhängigen Ombudssystems in der Jugendhilfe in Baden‐Württemberg“ sollen gesetzliche Unterstützungsangebote für Familien transparent und leichter zugänglich gemacht werden. Denn manchmal ziehen Jugendämter, Jugendhilfeeinrichtungen und Familien nicht an einem Strang, wenn es darum geht, was Kinder und Jugendliche für ihre Entfaltung brauchen. Damit Konflikte nicht eskalieren und im Sozialgesetzbuch VIII verankerte Rechte nicht unbeachtet bleiben, will die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden‐Württemberg zusammen mit der Stiftung Kinderland Baden‐Württemberg passende Ombudsstrukturen für die Jugendhilfe in Baden‐Württemberg entwickeln. Dabei kann an die fundierte Erfahrung in der ombudschaftlichen Beratung und Begleitung von Ratsuchenden durch die Initiative Habakuk und ihren Regionalstellen angeknüpft werden.Als guten Tag für die Kinder und Jugendlichen in Baden‐Württemberg bezeichnete Reinhold Schimkowski, Vorstandsvorsitzender der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden‐Württemberg e.V., den Auftakt in seinem Grußwort: Dieses Projekt kümmere sich um das, was der Gesetzgeber „Kindeswohl“ nenne.Die anschließenden Statements aus der Praxis verdeutlichten, wie vielschichtig das System Jugendhilfe angelegt ist. So erläuterte Robin Loh von Care Leaver e.V., dem Netzwerk für junge Menschen auf dem Weg aus der Jugendhilfe ins Erwachsenenleben, warum eine wichtige politische Forderung der Care Leaver die Einrichtung von Ombudsstellen ist: „Die Schnittstellen sind kompliziert. Welches Amt ist für mich zuständig? Welche Unterstützung steht mir zu? Da ist es gut, noch eine neutrale Person an der Seite zu haben.“Roland Kaiser, Dezernent des KVJS‐Landesjugendamtes, betonte das besondere Potential von Ombudschaft als Frühwarnsystem, die Leiterin des Jugendamtes Emmendingen, Monika Schneider beschrieb ombudschaftliche Beratung als hilfreichen Beitrag zur Versachlichung bei aufgeladenen Emotionen. Für den Landtagsabgeordneten Thomas Poreski von der Fraktion der Grünen soll damit ein anderes Verwaltungsverständnis entwickelt werden, was auch in einigen der Thesen zu Ombudschaft thematisiert wurde, die Ombudsmann Manuel Arnegger zum Auftakt verfasst hatte. Er hat Anteile an der Projektleitung, die größtenteils bei Esther Peylo liegt, die das Projekt nach außen vertritt. Sie moderierte das Podium. Abschließend äußerte Michael Spielmann, der Vorsitzende des Liga‐ Ausschusses Kind, Jugend, Familie den Wunsch nach enger Kooperation aller Beteiligten: „Unabhängige ombudschaftliche Arbeit können wir nur erreichen, wenn wir die notwendigen Strukturen dafür alle gemeinsam entwickeln. Die Liga sieht sich als Platzhalter, bis es so weit ist“.

20170711 121956 1499811078673
Anstoßen auf den Projektstart (im Vordergrund von links) : Robin Loh (Care Leaver e.V.), Manuel Arnegger (Ombudsmann), Christa Heilemann (Landkreistag BW), Reinhold Schimkowski (Liga der freien Wohlfahrtspflege BW), Esther Peylo (Projektleitung), Staatssekretärin Bärbl Mielich (Ministerium für Soziales und Integration BW), Thomas Poreski MdL (Landtagsfraktion der Grünen), Michael Spielmann (DiCV Freiburg) und Roland Kaiser (KVJS‐ Landesjugendamt) 


Download Pressemeldung


Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.

Stauffenbergstraße 3
70173 Stuttgart
Tel  0711 / 619 67 - 0
Fax 0711 / 619 67 - 67

© 2017 numBear