Landesstelle für Suchtfragen weist Vorstoß von Justizminister Wolf zurück – Fußfesseln für suchtkranke Straftäter inakzeptabel

Landesstelle für Suchtfragen weist Vorstoß von Justizminister Wolf zurück – Fußfesseln für suchtkranke Straftäter inakzeptabel

Drucken E-Mail
Sucht ist in erster Linie eine Krankheit und keine Gefährdung für die Allgemeinheit. Die Landesstelle weist deshalb den Vorstoß von Minister Wolf, auch über Fußfesseln für suchtkranke Straftäter nachzudenken, als völlig unverhältnismäßig zurück.

Die Fachleute in der Landesstelle fragen sich, was eine Fußfessel für einen straffällig gewordenen Suchtkranken bewirken soll und sehen in dem Vorschlag eine unnötige Dramatisierung und Stigmatisierung von suchtmittelabhängigen Menschen. Wenn an eine „Schutzfunktion“ für den Betroffenen gedacht ist, so läuft das ins Leere. Suchtmittelkontakt ist nicht zu verhindern. In Zeiten des Internethandels schon gar nicht. Welche Bedeutung hätte es beispielsweise, wenn ein ehemaliger Drogenabhängiger sich in einem Park bewegt, der der Polizei als Ort für Drogenhandel bekannt ist? Allein daraus lässt sich weder ein Drogendelikt noch eine irgendwie geartete Gefährdung ableiten.  Ist an eine „Schutzfunktion“ der Allgemeinheit gedacht? Mit einer Fußfessel wird der Allgemeinheit eine besondere Gefährdung durch den elektronisch „Gefesselten“ suggeriert. Für eine besondere Gefährdung aufgrund von Suchterkrankung gibt es keine Anhaltspunkte. Der Großteil der Straffälligkeit begründet sich durch Beschaffungskriminalität oder Dealerei und ist somit eine von unserer Rechtsnorm abgeleiteten Kriminalität. Für das Jahr 2016 werden von der Polizeilichen Kriminalstatistik Baden-Württemberg 31.790 Besitz- bzw. Erwerbsdelikte gemeldet und 6.980 Handelsdelikte. Von Gewaltdelikten wird in diesem Zusammenhang nicht berichtet. Ein öffentliches Interesse an so einer Überwachung ist nicht erkennbar. „Hilfe statt Strafe“ hat sich über Jahrzehnte bewährt. Therapie, Nachbetreuung und soziale Integration, möglichst durch einen Arbeitsplatz unterstützt, ist der richtige Weg zur Überwindung einer Sucht. Nach der Suchthilfestatistik der Landesstelle werden in den Suchtberatungsstellen Baden-Württemberg rund 10.000 Menschen mit einer Drogenabhängigkeit jährlich begleitet und behandelt.

PRESSEKONTAKT 
Christa Niemeier
Referentin für Suchtprävention
Landesstelle für Suchtfragen
der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.
Stauffenbergstr. 3
70173 Stuttgart
Tel. 0711 - 61967-32
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.suchtfragen.de

Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.
Stauffenbergstraße 3
70173 Stuttgart
Tel  0711 / 619 67 - 0
Fax 0711 / 619 67 - 67

© 2017 numBear