Jeder hat eine faire Chance verdient! „Care Leaver – Wege in die Selbstständigkeit“

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Der Übergang in das junge Erwachsenenleben ist für den weiteren Lebensweg von Jugendlichen entscheidend. Häufig werden jedoch diejenigen abgehängt, die in der stationären Jugendhilfe aufgewachsen sind. Im Rahmen des Projekts „Care Leaver – Wege in die Selbstständigkeit“ machen die Martin-Bonhoeffer-Häuser, Tübingen und das Albert-Schweitzer-Kinderdorf, Waldenburg auf die schwierigen Lebenslagen von Care Leavern aufmerksam und bauen ein landesweites Netzwerk auf. Bei einer Kontakt- und Anlaufstelle erhalten sie Unterstützung, wenn es mal klemmt. Im Rahmen der Bundestagswahl fand ein Gespräch zwischen Care Leavern, Fachleuten und Vertreter/n/innen aus Politik statt. Das Projekt wird von Aktion Mensch gefördert.

Care Leaver haben klare Forderungen an die Politik: Die Jugendhilfe muss über das 21. Lebensjahr hinaus für sie zuständig bleiben. Beim Übergang in die Selbstständigkeit ist eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen Unterstützungssystemen, feste Mentoren/innen bzw. Ansprechpartner/innen, eine sichere Finanzierung und die Möglichkeit, in die Jugendhilfe zurückzukehren, notwendig. Handlungsbedarf besteht auch bei der Kostenheranziehung der Jugendlichen während der Ausbildung. „Die Möglichkeit anzusparen oder der Anreiz, Arbeiten zu gehen, darf für Care Leaver nicht geschmälert werden! Da ist die geplante Neuregelung im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz in gewisser Weise ein Lichtblick“, erklärt Matthias Hamberger, Geschäftsführer der Martin-Bonhoeffer-Häuser in Tübingen.  Der Regierungsentwurf reduziert die Kostenheranziehung von bisher 75 auf 50 Prozent. „Das ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings ist eine weitere Reduktion erstrebenswert“, so Hamberger.

Der Gesetzgeber geht in der Regel davon aus, dass mit Volljährigkeit ein selbständiges und eigenverantwortliches Leben möglich ist. Es besteht zwar ein Anspruch auf Hilfe für junge Volljährige bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres und in begründeten Einzelfällen auch darüber hinaus. Die Praxis zeigt ein anderes Bild. Care Leaver sind mit Eintritt der Volljährigkeit und spätestens mit Vollendung des 21. Lebensjahres meist auf sich selbst angewiesen. „Es kann nicht sein, dass von diesen jungen Erwachsenen ungleich mehr erwartet wird, als von der Gruppe Gleichaltriger, die zu diesem Zeitpunkt oft noch zuhause lebt. Sie haben in der Regel massive Einschnitte in ihrem Leben erfahren, Beziehungsabbrüche erlebt und verfügen häufig über keine tragfähigen familiären und sozialen Netzwerke. Der Gesetzgeber muss hier Verantwortung übernehmen und Care Leaver auf die gleiche Stufe mit allen jungen Erwachsenen stellen. Das bedeutet Stärkung der Rechtsansprüche junger Volljähriger sowie Heraufsetzung der Altersgrenze auf mindestens 24 Jahre,  die Sicherung von Bildungs- und Berufschancen, die Entwicklung sozialer Unterstützungs- und Beratungsangebote sowie die Stärkung der Selbstorganisation von Care Leavern, fordert Barbara Meier, Bereichsleiterin Jugend und Bildung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg.

Weitere Informationen zum Projekt unter: www.careleaver-bw.de.

Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.

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