Gemeinsame Presseinformation der Stadt Heidelberg und des PARITÄTISCHEN Bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung: Schuldenfrei im Alter

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Stadt Heidelberg und PARITÄTISCHER gehen gezielt das Thema Altersarmut an

Immer mehr ältere Menschen geraten in die Schuldenfalle. Das zeigen die Erfahrungen der Schuldnerberatungsstelle des PARITÄTISCHEN, der in Heidelberg im Auftrag der Stadt eine Schuldnerberatung anbietet. „Wer im Rentenalter Rat sucht, hat oft eine Jahrzehnte dauernde Schuldnerkarriere hinter sich. Für Überschuldung im Alter wird die Ursache in früheren Lebensjahrzehnten gelegt“, sagt Ralf Baumgarth, Regionalgeschäftsführer des PARITÄTISCHEN. „Den Betroffenen gelingt oft nicht, die Überschuldung im mittleren oder auch höheren Erwachsenenalter vor Rentenbeginn zu überwinden. Mit reduziertem Renteneinkommen verringern sich die Chancen einer Regulierung der Schulden noch mehr.“
Aus diesem Grund hat die Stadt Heidelberg in Kooperation mit dem PARITÄTISCHEN im Jahr 2016 das Projekt „Schuldenfrei im Alter“ gestartet. Der Heidelberger Gemeinderat hat dafür zusätzliche 15.000 Euro bewilligt. Das Projekt „Schuldenfrei im Alter“ soll in einer ersten Phase gezielt für Heidelberg überprüfen, ob es tatsächlich eine merkliche Zahl älterer, überschuldeter Menschen gibt, die selbst – etwa aus Scham – nicht den Weg zur Schuldnerberatung finden. Dies soll durch Interviews mit Gerichtsvollziehern, Seniorenberatern, Rechtsabteilungen örtlicher Banken und anderen Kontaktpersonen eruiert werden. In einer zweiten Phase soll den von Altersüberschuldung betroffenen Menschen gezielt Hilfe angeboten werden.
Thomas Engels, der in der Schuldnerberatung in der Schwetzinger Straße 26 in Kirchheim arbeitet, weiß aus Datenerhebungen, dass zwei Drittel der Rentner, die 2015 beraten wurden, nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Anregung von Nachbarn, Angehörigen oder Freunden die Schuldnerberatung aufsuchen. Viele kommen erst, wenn die Situation bereits sehr ernst ist, etwa die Hälfte hatte bis zum Beratungsbeginn Raten aus unpfändbarem Einkommen gezahlt und dann für den Lebensunterhalt nur noch 300 bis 420 Euro, in extremen Fällen auch nur 200 Euro zur Verfügung. „Das Bild vom leichtlebigen Senior, der sich ein schönes Leben macht, ist hier ein Zerrbild. Die Ratsuchenden sind oft dankbare Opfer für Kreditgeber und haben oft jahrelang Kredite in immer wieder neue Kredite umgeschuldet“, sagt Engels.
„Professionelle Beratung ist deshalb notwendig“, erklärt Angelika Haas-Scheuermann, die Leiterin des Amtes für Soziales und Senioren der Stadt Heidelberg. Für die Schuldnerberatung, die eine gesetzlich verankerte kommunale Aufgabe und Verpflichtung ist, hat sie seit Jahren als verlässliche Kooperationspartner den PARITÄTISCHEN und den Caritasverband. „Was die Überschuldungssituation ganz generell angeht, bilden wir in Heidelberg aber eine positive Ausnahme“, sagt Haas-Scheuermann. „Während 2016 jeder zehnte volljährige Bürger in der Metropolregion überschuldet war, stieg die Schuldnerquote in Heidelberg nur leicht an. Mit 6,23 Prozent haben wir die geringste Schuldnerdichte in der Metropolregion.“
2016 haben insgesamt 300 Menschen bei der Schuldnerberatung in Kirchheim Rat gesucht. Thomas Engels wünscht sich, dass es im Rahmen des Projekts noch mehr Senioren werden. „Wir wollen mehr Personen in Kliniken, Seniorenzentren, Gerichten, Sozialstationen und anderen Einrichtungen gewinnen, die Betroffene zu uns vermitteln. Es ist aber auch jeder aufgefordert, der ältere Menschen in der geschilderten Notlage kennt, diese zu motivieren und auf dem Weg in die Schuldnerberatung zu begleiten.“
Da viele der betroffenen älteren Menschen große Scheu haben, eine Beratungsstelle aufzusuchen oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, berät der Schuldnerberater bei Bedarf auf Wunsch auch zu Hause.
Das Projekt „Schuldenfrei im Alter“ läuft zunächst noch bis Ende des Jahres. Im Herbst werden die Ergebnisse dem Ausschuss für Soziales und Chancengleichheit des Gemeinderats vorgestellt.


Kontakt zur Beratungsstelle des PARITÄTISCHEN ist telefonisch möglich dienstags bis donnerstags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 06221 400132.
Der Berater Thomas Engels ist direkt erreichbar unter der Telefonnummer 01520 1487980.


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