Positionierung der Diakonie zur Flüchtlingspolitik in Baden-Württemberg

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Integration statt Abschiebung junger Geflüchteter
Flucht und Vertreibung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Bibel. Aus ihrer christlichen Verantwortung heraus engagiert sich die Diakonie in der Flüchtlingshilfe hier und weltweit und wendet sich heimatlosen Menschen und Opfern von Gewalt zu. Von den rund 65 Millionen Flüchtlingen weltweit sind über die Hälfte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. In Baden-Württemberg werden derzeit knapp 8.000 junge Flüchtlinge, die als unbegleitete Minderjährige nach Deutschland kamen, stationär untergebracht und betreut. Fast 90 % der Minderjährigen werden innerhalb von 18 Monaten die Grenze zur Volljährigkeit erreichen. Rund 1.500 der 8.000 in Baden-Württemberg untergebrachten jungen Flüchtlinge werden von diakonischen Einrichtungen der Jugendhilfe in Württemberg betreut und darüber hinaus auch schulisch und beruflich qualifiziert. Die Diakonie Württemberg setzt sich mit einer Vielzahl von Angeboten für junge Flüchtlinge ein. An der Betreuung unbegleiteter Minderjähriger beteiligen sich 45 diakonische Einrichtungen der Jugendhilfe an über 50 Standorten in 26 Stadt- und Landkreisen. Die Angebote umfassen Plätze zur vorläufigen oder dauernden Inobhutnahme, Hilfen zur Erziehung und Hilfen für junge Volljährige in Wohngruppen der Heimerziehung, des Betreuten Jugendwohnens, in Jugendwohnheimen, Internaten und Gastfamilien. Die Einrichtungen der Diakonie in Württemberg erreichen rund 8.000 junge Flüchtlinge und Familien mit Unterbringung und Betreuung unbegleiteter Minderjähriger und junger Volljähriger in evangelischen Kindergärten und Schulen, in Einrichtungen der Beruflichen Bildung und Integration, in Angeboten der Jugendmigrationsdienste, Offenen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und Mobilen Jugendarbeit, in Familienzentren und bei der sozialen Betreuung in Gemeinschaftsunterkünften. Für alle jungen Flüchtlinge gilt, dass eine menschenwürdige Betreuung mit dem Recht auf gelingendes Aufwachsen und der Chance auf Integration verbunden sein muss. Diese Perspektive ist für viele dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Grund der restriktiven Abschiebepolitik des Bundes und auch des Landes, nicht mehr gegeben. Gerade junge Flüchtlinge benötigen eine nachhaltige Begleitung, doch sie erwartet nach der Betreuung in unseren Wohngruppen oder nach Eintritt der Volljährigkeit ein ungewisses Schicksal. Obwohl sie sich sprachlich und schulisch qualifiziert, sich kulturell und sozial in Deutschland eingefunden haben, bekommen diese jungen Menschen oft wenig gezielte Hilfe und Betreuung; im Gegenteil, zunehmend sind auch junge Volljährige trotz guter Integrationschancen von Abschiebung in Krisengebiete bedroht, meist ohne ausreichende Prüfung des Einzelfalls, auch wenn dort kein familiärer Anschluss mehr möglich ist. Nach Auffassung der Diakonie verstößt Deutschland damit gegen den Geist der UN Kinderrechtskonvention, die einen Schutz junger Menschen vorsieht, auch wenn sie volljährig sind.

Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.
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