Rehaprojekt Sucht und Beruf – beruflicher Neustart trotz Sucht Erste Ergebnisse vom Landes-ESF-Projekt „Su+Ber“ liegen vor

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Obwohl eine Reintergration in den Arbeitsmarkt durch Suchtprobleme nach aller Erfahrung erheblich erschwert wird, gibt es bis heute keine realistischen Zahlen über den Anteil der Langzeitarbeitslosen mit Suchtproblemen. Dabei trägt eine geregelte Arbeit und Beschäftigung ganz wesentlich zur Stabilisierung der Lebenssituation bei. Das Landes-ESF-Projekt Su+Ber unterstützt langzeitarbeitslose Menschen mit Suchtproblemen bei einem beruflichen Neustart. Dazu werden an sechs Standorten im Land Arbeitsfördermaßnahme angeboten mit dem Ziel, nach 6 – 8 Monaten auf einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz Fuß zu fassen. Diese Arbeitsfördermaßnahme ist verbindlich verknüpft mit einer neuartigen Form ambulanter Suchtrehabilitation, die auch nach der beruflichen Wiedereingliederung eine oft notwendige intensive Weiterbetreuung ermöglicht. Die ambulante Suchtreha im Projekt Su+Ber ist konsequent auf eine berufliche Wiedereingliederung orientiert - die sonst entscheidende Frage einer Abstinenz ist hier zunächst nachrangig. Projektträger ist die Werkstatt PARITÄT, ein Tochterunternehmen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg.

Trotz sinkender Arbeitslosenquote ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Baden-Württemberg in den letzten Jahren relativ konstant bei ca. 70.000 Menschen „eingefroren“. Das bedeutet, dass viele betroffene Menschen trotz guter konjunktureller Entwicklung keine realistischen Teilhabechancen hinsichtlich der Arbeitsmarktintegration haben. „Neben Kosteneinsparungen in spezifischen Förderetats sehen wir immer wieder insbesondere Probleme bei der strikten Trennung der Leistungssysteme und bei Zuständigkeitsabgrenzungen, die letztlich passgenaue Hilfen für Betroffene sehr erschweren. Dies trifft in besonderem Maße auf Menschen zu, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, Suchtproblemen, Hafterfahrungen etc. über sogenannte „Vermittlungseinschränkungen“ verfügen“, sagt Oliver Kaiser, Leitung Bereich Sucht und Drogen beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg.

Mit dem Projekt Su+Ber sollen die Versorgungsstrukturen für langzeitarbeitslose Menschen mit Abhängigkeitsproblemen weiterentwickelt werden. „Unsere ersten Zwischenergebnisse zeigen, dass unser Ansatz einer nutzerorientierten Leistungsvernetzung von Arbeitsförderung und spezifischer ambulanter Suchtrehabilitation von allen Kooperationspartnern/innen als wichtige Innovation erlebt wird, die den betroffenen Langzeitarbeitslosen oft ganz neue Entwicklungs- und Teilhabeperspektiven eröffnet. Voraussetzung für ein dabei notwendiges intensives Engagement der Suchtberatung ist aber eine stärkere Einbindung der ambulanten Suchtrehabilitation, wie dies im Projekt Su+Ber die DRV Baden-Württemberg ermöglicht hat“, erklärt Karl Lesehr, Projektberater bei der Werkstatt PARITÄT. „Für eine nachhaltige Arbeitsintegration müssen Suchtberatung, ambulante Suchtreha und Jobcenter künftig als gleichwertige Leistungspartner fallbezogen und im Lebensalltag der Menschen zusammenarbeiten.“

Das Projekt Su+Ber wird unterstützt durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) im Rahmen der Programmlinie NaWiSu. Die Arbeitsfördermaßnahmen werden durch die örtlichen Jobcenter finanziert. Weitere Informationen unter http://www.werkstatt-paritaet-bw.de/projekte/suber-sucht-und-beruf/.

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